Verein alleinerziehender Mütter und Väter - Landesverband NRW e.V.

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Ruhender Pol in stürmischen Zeiten

Pilotprojekt 2007

gefördert vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW

VAMV LV NRW e.V. in Kooperation mit der agae und agia

Laufzeit des Pilotprojektes 1.3. – 31.12.2007

Ausgangssituation

Kinder sind in den Familien beider Eltern verwurzelt. Auch bei Trennung oder Scheidung der Eltern gibt es für sie zunächst keinen Grund, den Kontakt zu einem Großelternpaar abzubrechen. Doch Erfahrungen zeigen, dass Erwachsene es den Kindern manchmal nicht leicht machen, zu den Angehörigen beider Familien eine unbeschwerte Beziehung zu pflegen.

Dabei wissen wir, dass liebevolle Kontakte zu den Großeltern für Kinder sehr wichtig sind. Sie geben ihnen Halt, Sicherheit und auch ein Stück Zuversicht, wenn in ihren Augen ihre vertraute Welt zusammenbricht. Auch wenn Großeltern den Kindern in aller Regel die Trennung der Eltern nicht ersparen können, so steht ihnen doch eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Entlastung des Kindes zu Verfügung: Sie können ihrem Enkel ein Stück vertrauter familiärer Welt erhalten. Sie haben die Möglichkeit, sich für das Kind Zeit zu nehmen und herauszufinden, was das Kind von ihnen braucht. Kinder können so bei den Großeltern emotional "auftanken" - und sie können die Gewissheit bekommen, dass nicht sie es sind, die anders sind als früher, sondern dass es Mutter und Vater sind, die sich verändert haben. Sie lernen verstehen, dass sich zwar Vater und Mutter trennen, dass es aber auch vertraute familiäre Beziehungen gibt, die bestehen bleiben.

Allerdings finden sich Großeltern - ähnlich wie ihre Enkelkinder - durch die Trennung ihrer Tochter/ihres Sohnes häufig in einer Situation der Hilflosigkeit wieder. Viele schwanken zwischen dem Wunsch, einerseits mit den ‚Beziehungsgeschichten der Jungen’ nichts zu tun haben zu wollen, andererseits aber möchten sie ihren Kindern und Enkelkindern helfend zur Seite stehen. Ihre gut gemeinten Ratschläge laufen häufig ins Leere oder führen gar zu einer Verschärfung der Situation.

Aus unserer Arbeit wissen wir auch, dass Alleinerziehende nach der Trennung oft unsicher sind, wie sie mit den Eltern des Partners/der Partnerin umgehen sollen, ob mit der Beendigung der Paarbeziehung auch die Beziehung zu den Schwiegereltern vor dem Abbruch steht.

Ziel des Projektes

Das Pilotprojekt will Problem- und Fragestellungen der Großeltern eruieren, eine landesweite Diskussion über eine konstruktive Unterstützerrolle der Großeltern im Trennungs- und Scheidungsprozess in Gang setzen und Anregungen zum Aufbau von Weiterbildungsmodulen geben. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob der generationenübergreifende Ansatz innerfamiliäre Beziehungen stärkt bzw. Neugestaltung anregt.

Das Projekt will dazu beitragen, dass Kinder in schwierigen Trennungssituationen der Eltern Unterstützung und Zuspruch durch die Großeltern erfahren, denn neben den Eltern sind Oma und Opa oft die wichtigsten erwachsenen Bezugspersonen eines Kindes innerhalb der Familie.

Damit Großeltern Möglichkeiten und Grenzen ihres Unterstützungspotentials einschätzen können, möchten wir einerseits ‚ihr Bewusstsein um die eigene Position im familiären Beziehungssystem schärfen’, andererseits möchten wir Enkelkinder und Großeltern durch ausgewählte Gruppenangebote spielerisch zusammenführen, um Sicherheiten im Umgang miteinander vermitteln zu können. Die Aufrechterhaltung, vielleicht sogar die Intensivierung der Beziehung zum Enkelkind, das einfühlsame Gespräch gehören aus unserer Sicht zu den wichtigsten Bausteinen der Hilfestellungen der Großeltern.

Skizzierung der Umsetzung

An drei Standorten in NRW (Gelsenkirchen, Hilden, Wesel) werden den Großeltern jeweils drei Seminarmodule angeboten, in denen

  • sie sich mit ihrer Position im familiären Beziehungssystem auseinandersetzen können
  • ihre spezifischen Problem- bzw. Fragestellungen eruiert und besprochen werden sowie
  • die Grundregeln für das Gespräch mit dem Kind erarbeitet werden

Darüber hinaus bieten wir ihnen zwei Erlebnistage, in denen die Interaktionen zwischen Großeltern und Enkeln im Vordergrund stehen

  • Bilderbücher halten länger als Süßigkeiten
  • Mitmach-Zirkus für Großeltern und Enkelkinder

Kooperationsarbeit

Das Pilotprojekt führt der VAMV in Kooperation mit der agae (Arbeitsgemeinschaft für allein erziehende Mütter und Väter im Diakonischen Werk der EKD) sowie der AGIA (Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehende in der katholischen Kirche) durch. Die Seminararbeit findet statt in Kooperation mit

  • der Katholischen Familienbildungsstätte Gelsenkirchen
  • der Evangelischen Erwachsenenbildung der evangelischen Kirchengemeinde Hilden
  • dem Mehrgenerationenhaus des SkF Wesel

Seminarreihe „Enkelkinder ohne Beipackzettel – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen“

Die Seminarreihe will Großeltern Möglichkeiten der Reflexion der eigenen Rolle im Familiensystem bieten. Großeltern sind häufig eine feste Größe im Familiensystem. Sie sind eingebunden in die Pflege und Betreuung ihrer Enkelkinder, sind häufig mit finanziellen Beiträgen am Familienbudget beteiligt und übernehmen vielfältige Aufgaben zur Entlastung ihrer Kinder. Das Miteinander der Generationen birgt aber auch ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Erwartungen und Vorstellungen prallen aufeinander und alte Verhaltensmuster brechen wieder auf. Denn die Eltern-Kind-Beziehung unterscheidet sich von allen anderen Beziehungen: Sie ist gekennzeichnet von extremer Abhängigkeit und Unterlegenheit auf der Seite des Kindes und von einem enormen Einsatz an Verantwortung und Verbindlichkeit auf Seiten der Eltern. Erst allmählich, mit dem Heranwachsen der Kinder, werden beide Anteile schwächer. Im Idealfall gleichen sie sich an. Tatsächlich ist es aber oft so, dass die gegenseitige Ablösung nicht wirklich gelingt. Wenn Kinder Eltern werden und Eltern Großeltern, dann kommen manche Verhaltensmuster wieder zu Tage und alte Konflikte brechen auf.

Das vom VAMV NRW im Jahr 2007 durchgeführte Pilotprojekt „Großeltern – Ruhender Pol in stürmischen Zeiten“ hat aufgezeigt, wie Kinder in schwierigen Trennungssituationen Unterstützung und Zuspruch durch die Großeltern erfahren können. Die Großeltern reflektierten sowohl die vielfältigen Möglichkeiten als auch die Grenzen ihres Unterstützungspotentials.

Da nicht nur getrennt lebende Familien stürmische Zeiten erleben, sondern Familien in unserer immer komplexer werdenden Welt in wiederkehrenden Abständen starkem Gegenwind ausgesetzt sind, hat der VAMV sich Anfang 2008 an die Landesarbeitsgemeinschaften der Familienbildung in NRW gewandt, um gemeinsam ein Curriculum zur Fortbildung von Großeltern zu entwickeln. In der LAG Familien- und Weiterbildung der AWO NRW fand der Verband einen kompetenten Partner und erarbeitete trägerübergreifend mit 15 Fachkräften Inhalte und Methoden einzelner Bausteine.

An einem Wochenende oder im Rahmen einer Kursreihe erhalten Großeltern die Möglichkeit der Reflexion der eigenen Rolle im Familiensystem. Ihnen wird die Bedeutung bewusst, die sie als kontinuierliche Bezugsperson für ihre Enkelkinder einnehmen und wie sie sie für beide Seiten gewinnbringend ausfüllen können.

Die sieben Bausteine sind Programm:

  • Wie wir wurden, was wir sind
  • Ich will doch nur Dein Bestes! – Kriegst Du aber nicht!
  • Hier kann jeder machen was ich will!
  • Wo ist nur meine rosarote Brille?!
  • Bleibt alles anders?!
  • Reden ist Silber, verständnisvolles Zuhören ist Gold!
  • Immer wieder sonntags...?

Bildungsträger, die auf der Basis des Rahmencurriculums „Enkelkinder ohne Beipackzettel – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen“ eine Seminarreihe für Großeltern anbieten möchten, mailen wir das Curriculum gerne zu: info@vamv-nrw.de

Broschüre: Ruhender Pol in stürmischen Zeiten

Die Broschüre möchte Großeltern unterstützen, ihren Enkeln ein Ruhender Pol in stürmischen Zeiten zu sein. Neben der Beziehung zu Eltern und Geschwistern zählt die Verbindung zu den Großeltern zu den wichtigsten familiären Bindungen von Kindern. Dies gilt umso mehr, wenn Familien von Trennung und Scheidung betroffen sind.

Wie Oma und Opa zum „ruhenden Pol in stürmischen Zeiten“ werden können, verrät der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in einer gleich lautenden Broschüre. Sie ist Teil eines vom nordrhein-westfälischen Familienministerium unterstützten Pilotprojektes, das Großeltern unterstützen möchte, den Kontakt zu ihren Enkelkindern zu halten und zu gestalten.

Bei Großeltern können Kinder emotional auftanken, sich fallen lassen, unbeschwert sein. Kinder erfahren bei ihnen, dass trotz der Trennung vertraute familiäre Beziehungen bestehen bleiben. Sie können Gewissheit bekommen, dass nicht sie, sondern ihre Eltern sich verändert haben.

Viele Großeltern aber geraten trotz guter Absichten in einen Konflikt. Sie wollen präsent bleiben und den Kontakt zu beiden Seiten halten, fürchten aber zugleich, sich zu stark einzumischen. Die Broschüre „Großeltern – Ruhender Pol in stürmischen Zeiten“, bietet Großeltern rechtliche und psychologische Informationen. Sie gibt Orientierungshilfen und Tipps zur Unterstützung der Enkelkinder, zeigt mögliche Spannungsfelder im Umgang mit den eigenen Kindern und Schwiegerkindern auf und bietet Lösungsmöglichkeiten an.

Auf 36 Seiten werden die Bedeutung von Oma und Opa dargestellt, Erfahrungen ausgetauscht und konkrete Hinweise zum Kontakt und Gespräch mit den Enkeln gegeben.

 

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